



Im Rahmen der Mikroton Residenz entstand – in Koautorenschaft mit dem Musiker, Klangkünstler und Instrumentenbauer Hendrik Herchenbach – eine raumgreifende, ortspezifische Klang- und Bühneninstallation mit einer elektroakustischen Komposition aus vor Ort erstellten Samples. Am 12.06.26 fand in einem der Räume in dem historischen Kunst- und Gewerbehof hp7 (Hans-Poeche-Straße 7, Leipzig Zentrum-Ost) unsere abschließende Konzertperformance statt.
Während des Residenzzeitraumes suchten wir den direkten Kontakt mit dem Raum des historischen Kunst- und Gewerbehofs. Wir spürten bautechnischen sowie nutzungshistorischen und raumresonanten Besonderheiten nach: wir sichteten und hörten die bauliche Struktur und materielle Raumbeschaffenheit ab und erkundeten das erweiterte Inventar.
Dabei fokussierten wir uns insbesondere auf die historische Werkstatt für Feinmechanik Hammer – in ihrer Geschichte des Handwerks, der besonderen Materialaffinität und den klanglichen Implikationen der jeweiligen Maschinen, Werkzeuge und Erzeugnisse. Wir erstellten ein Archiv an aufgenommenen Klangsamples, die zu einer Komposition zusammenkamen und als strukturgebender Prolog der finalen Klangperformance fungierten.
In der Halle im 2. Obergeschoss entstand ein Arrangement aus installativen Klangfeldern – raumspezifische Adaptionen meiner modularen Klangrauminstallationen Ferrum und Tellurium. Vorsichtig ausgewählte Objekte aus dem Inventar der Werkstatt wurden in die Installation und die Klangperformance integriert. Installation und Raumelemente wurden über Tonabnehmer in ihrem Körperschall abgenommen. Über Hendriks eigens entwickelte elektro-akustischen Resonatoren – eine Synthese aus Musikinstrument, Lautsprecher und künstlerischem Objekt – wurde das Klangmaterial aus der performativen Interaktion mit Raum und Installation sowie aus der elektronischen Komposition übersetzt und verstärkt. Damit suchten wir wechselseitige Bezüge, Durchdringungen und Brüche von Kunst- und Musiktheorie mit der Geschichte von Handwerk und Industrie durch performative Interaktionen zum Klingen zu bringen und mit dem Klang zu einer Art Selbstauskunft der materiellen und geschichtlichen Bedingungen. So ging auch die Performance in ihrem direkten Kontakt mit Raum und Inventarium auf dessen konkrete materielle und historische Bedingungen ein.
Eine filmische Aufnahme der Performance ist in Vorbereitung.
Ein großes Dankeschön an FOKUS Forum für künstlerische Umsetzung e.V. und hp_sieben e.V. für die Einladung und die liebenswürdige Betreuung während der Zeit!



Ein zentrales Element der Installation und der Performance ist der Tisch, der aus dem Bestand der historischen Werkstätten stammt. Mit Klaviersaiten bespannt, die durch Gewichte und Elemente aus der Feinwerkstatt und Felsbrocken beschwert und so gestimmt wurden, und einem verschiebbaren Steg, wurde die Tischinstallation von Hendrik und mir klanglich performativ benutzt. Dabei verrichteten wir Gesten unterschiedlicher Arbeiten, die sich mechanisch auf den Tisch auswirkten. Die Installation war mit einem Kontaktmikrofon bestückt und wurde akustisch verstärkt.
Eine Inspiration und Referenz war ein mittelalterlicher Holzschnitt, der die klanglichen Experimente Pythagoras, die als Grundlage für die okzidentale Musiktheorie fungierten, illustrierte. Der Ursprungsmythos, nach dem Pythagoras aus einer zufälligen Beobachtung bzw. in einer Schmiede zu Experimenten am Monochord und in Folge zur Formulierung seiner Musiktheorie fand, deutet auf eine interessante Verschränkung von Handwerk (hier der Schmiedekunst) und Musiktheorie. Eine ähnliche Assoziation findet sich auch in der Thora, hier sind der Schmied Tubal und der Urvater der Musik, Jubal, Halbbrüder.
Mich interessieren in meiner Praxis die materiellen Bedingungen und Bezüge kultureller Techniken und Praktiken. Die Arbeit veranschaulicht für mich die Physikalität und Materialität von Klang, Musik und Kultur, die sonst eher verdeckt wird. Das Gewicht der Töne.

Franchino Gaffurio: Theorica musicae (1492). Holzschnitt, Pythagoras mit Glocken, Monochord und Pfeifen in pythagoräischer Stimmung. Public Domain via Wikimedia Commons / Gallica Digital Library.






Mich haben insbesondere die von Hammer hergestellten Zirkel und Taster zur biometrischen Vermessung von Tieren angezogen. Mich beschäftigt dabei der quantifizierende Geist, der dem Zweck der Gerätschaften zugrunde liegt und kulturelle Leistung und Arbeit im Zugriff auf Natur und Material und dessen Verwertung und Transformation kennzeichnet. Neben diesen Geräten fand ich in einem anderen Raum der Werkstatt eine durchgeschnittene Hufe. In dem installativen Setting stellte ich die Taster mit der Hufe und weiteren Tierhörnern aus meinem eigenen Bestand zusammen. In der abschließenden Performance wurde diese Stelle in der Installation und Komposition ein Moment einer gedrungenen Artikulation – von Atemgeräuschen über Röcheln bis zu einem ansetzenden Schrei, verstärkt und bedingt durch ein Kuhhorn – ein Klang von Klage.



























Zwei weiterentwickelte Klanginstallationen, die unabhängig voneinander sind oder als ergänzende Module kombiniert werden können.
FERRUM 1.2 (2024)
200x130x280cm
Stahlrohre, verschiedene metallische Elemente (Rohre, Bleche, Federn, Glocken und Zimbeln), Kies und Schotter, Klaviersaiten, Audiosystem mit Tonabnehmer
Ferrum ist eine Erweiterung meines Ensembles aus spielbaren Klanginstallationen, wie das Tellurium. Durch die Verwendung ausschließlich metallischer Elemente hat es ein anderes Klangprofil.
TELLURIUM 2.2 (2024)
300x200x280cm
Stahlrohre, Ziegenhaut, verschiedene Klavier- und Darmsaiten, natürliche Objekte (Steine, Holz, verschiedene Erden), Audiosystem mit Tonabnehmer
Das Tellurium ist eine begehbare Klanginstallation, die für akustische Interaktionen, Performances, Konzerte und Ausstellungen ausgelegt ist. Die Installation besteht aus einer modifizierbaren Metallkonstruktion, die mit einer rechteckigen Trommel aus Ziegenhaut, verschiedenen Klavier- und Darmsaiten –, die teilweise mit natürlichen Objekten wie Steinen, Holz, Metall befestigt und gespannt sind, – und mit Erde auf dem Boden ausgestattet ist. Die gesamte Konstruktion ist über Tonabnehmer mit einem Audiosystem verbunden, welches die Spannungen und Vibrationen im Material, die bei der Interaktion mit den Elementen der Konstruktion entstehen, hörbar macht.
Das jeweilige Gewicht der Elemente an den Saiten gibt die Spannung der Saiten vor und somit die Tonhöhe. Das Tellurium bringt die Materialität und Physikalität von Klang und Musik stärker in den Vordergrund.



FERRUM 1.2
präsentiert in der 30ten Leipziger Jahresausstellung "XXX" in der Werkschauhalle der Leipziger Baumwollspinnerei, vom 22.06. bis 13.10.24.


TELLURIUM 2.2
präsentiert im Rahmen der Ausstellung: "Klangkörper - Künstlerische Musikinstrumente", die vom 22.06. bis 13.10.24 im Kunstmuseum Heidenheim läuft.
Musikperformance mit Torsten Pfeffer
Kunstmuseum Heidenheim, 2024

3D-Video der Musikperformance der Gruppe KALK (Hendrik Herchenbach, Torsten Pfeffer, Konrad Schreiter, Björn Werner) & Andreas Schröder.
Westwerk Leipzig, September 2022
Björn Werner – Tenor
Konrad Schreiter – Trompete
Torsten Pfeffer – Perkussion, Tellurium
Hendrik Herchenbach – E-Bass, Syntheziser, Maschinen, Klang-Collagen, Tellurium
Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Programm NEUSTART KULTUR Modul D – Digitale Vermittlungsformate





Tellurium 2.0
Präsentiert auf der Preisträgerausstellung blind date in der Produzentengalerie plan.d. in Düsseldorf.
Zusammen mit Kerstin Müller-Schiel.
Soundperformance an der Vernissage, 07.10.2020.


Sound Performance
Photos: Daniel Nehring


Tellurium 1.1 als Teil der von mir entwickelten Bühneninstallation für das Musiktheaterstück erdnah, einer Kooperation mit dem Komponisten Torsten Pfeffer, in Mitwirkung von Regina und Detlef Vitzthum. Uraufgeführt in der Kirche Großpötzschau im September 2020.








Ansichten der Bühneninstallation





Leib
Der Leib ist ein skulpturales Objekt sowie zugleich Theaterrequisite, bestehend aus diversen Stämmen und Ästen von vertrockneten oder umgefallenen Bäumen. Durch Seile, Tücher und Ketten zusammengehalten, entsteht ein fragiler Körper, der gefesselt, gekettet, verwundet oder bandagiert erscheint. Der Leib ist an einen Balken zwischen zwei Maurerböcken befestigt. Er wirkt wie ein erlegtes Tier oder ein Opfer.
Der Leib verkörpert auf drastische Weise einige der Kernthemen des Stückes. An zentraler Stelle in dem Stück wird er von dem hinteren Teil der Kirche bis vor an die Stufen des Altarraumes gezogen und an den aufgebockten Balken gebunden und mit Tüchern verbunden. Die Szene changiert zwischen der Brutalität einer Opferung und der Versorgung eines Verwundeten.
Es ist der Leib der Natur, der in das menschliche Drama mithineingezogen ist, an dem sich die persönlichen und zwischenmenschlichen Konflikte austragen und worin sich dessen Spuren und Wunden einschreiben. Die Zuwendung zu deren Wunden ist die Zuwendung zu den eigenen. Es ist im Grunde eine Wunde. Erst die achtsame Zuwendung zur Wunde und ihre Begegnung schafft Raum für Heilung und Verbindung. Mit den Mitteln der Kunst, in der Wahl der Materialen, ihrer Verarbeitung und der performativen Handhabung wird diese Zuwendung zur und Begegnung mit der Wunde gesucht.
Eckdaten
Material: Holzstämme und -äste, Seile, Hacken, Stoffe, Tücher
Maße: ca. 350 x 60 x 70cm
Trailer zu erdnah / Part 1 / Vereinigung
erdnah – Musiktheatralische Komposition
Nach dem Gedichtband perto da terra / erdnah, Yvette K. Centeno, übersetzt von Markus Sahr,
erschienen im Erata Verlag, Leipzig 2008.
Für weibliche & männliche Stimme, klassische Gitarre & Klangrauminstallation.
Konzert am Freitag, 04.09.2020 um 20 Uhr
Kirche Großpötzschau
04571 Rötha OT Pötzschau
Komposition: Torsten Pfeffer
Installation: Andreas Schröder
Performance: Torsten Pfeffer, Andreas Schröder, Regina & Detlef Vitzthum
Projektassistenz: Friederike Pidun
Mikrophonierung: Peter Schröder
In Kooperation mit dem Förderverein Kirche Großpötzschau e.V.






Tellurium 1.0
Eine begehbare Installation für akustische Interaktionen. Die Installation besteht aus einer Metallkonstruktion (300x300x280cm), die mit einer rechteckigen Trommel aus Ziegenhaut, verschiedenen Klavier- und Darmsaiten ausgestattet ist, die teilweise mit natürlichen Objekten wie Steinen, Holz, Metall und Erden auf dem Boden befestigt sind. Die gesamte Konstruktion ist über Piezo-Mikrofone mit einem Audiosystem verbunden, das die Spannungen und Schwingungen im Material, die bei der Interaktion mit den Elementen der Konstruktion entstehen, hörbar macht.
Technische Unterstützung durch Peter Schröder.
Musikalische Performance von Torsten Pfeffer.
Tellurium 1.0 wurde in der Gruppenausstellung Organic Drama präsentiert
Gruppenausstellung mit Ulysse Bordarias, Evelyn Möcking und Daniel Nehring im Weltkunstzimmer Düsseldorf, April 2019.
Mit freundlicher Unterstützung von:
